Samantha Tan

Tan: „Ich möchte, dass Frauen respektiert und als gleichberechtigte Konkurrenten gesehen werden.“

Samantha, wie sind Sie zum Motorsport gekommen?

Samantha Tan: „Meine Liebe zu Autos und Motorsport entwickelte sich schon, als ich noch sehr klein war, ungefähr mit vier oder fünf Jahren. Mein Vater hatte einen BMW Eurospec E36 M3, mit dem er mich zur Schule gefahren hat, und ich verliebte mich in das Gefühl von Geschwindigkeit und Schnelligkeit. Er hatte definitiv einen großen Einfluss auf mich, weil er mich immer zu Track Days mitgenommen und Formel-1-Rennen mit mir geschaut hat, als BMW Sauber noch aktiv war. Ein paar Jahre später durfte ich im Alter von 14 Jahren bei der Ferrari Driving Experience in Mont Tremblant, Quebec, in meinem ersten Rennwagen sitzen. Ein Profifahrer fuhr mit mir in einem 458 Challenge Auto über die Strecke, bremste extrem spät und brachte das Auto mit intensiven G-Kräften und Geschwindigkeiten, die ich noch nie zuvor erlebt hatte, in die Kurven. Ich war mit einem 5-Punkt-Gurt gesichert, aber da ich so klein war, schwangen meine Beine trotzdem herum, und ich musste mich abstützen, indem ich mich an den Gurten festhielt. Obwohl manche Leute das vielleicht beängstigend finden, erinnere ich mich, dass ich ein riesiges Lächeln im Gesicht hatte. Es war eine unglaubliche, unvergessliche Erfahrung, die mich letztendlich motivierte, selbst Rennfahrerin zu werden. Im März 2014 nahm ich dann im Alter von 16 Jahren an meinem ersten Rennen teil.“

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Wie sieht Ihre Rolle als Rennfahrerin aus? Welche Meinungen haben Konkurrenten, Sponsoren, Fans und Medien?

Tan: „Ich denke, dass ich durch die Teilnahme an diesem von Männern dominierten Sport ein Vorbild für Mädchen und Frauen bin, die danach streben, geschlechtsspezifische Grenzen zu überwinden, vorgefasste Meinungen in Frage zu stellen und ihre Ziele erfolgreich zu erreichen. Im Allgemeinen haben mich meine Konkurrenten, Sponsoren wie Liquimoly und Piloti, Fans und Medien unterstützt. Während der Autogrammstunden höre ich immer wieder den Satz ‚Wir brauchen mehr Fahrerinnen in diesem Sport‘. Seit Beginn meiner Karriere habe ich immer mehr Frauen gesehen, die in den Sport eingestiegen sind, und das macht mich wirklich glücklich. Die einzigen negativen Meinungen, die ich seitens meiner Konkurrenten erlebt habe, sind Frauenfeindlichkeit, nicht ernst genommen zu werden und der Irrglaube, ich sei Model statt Rennfahrerin. Ich finde das respektlos, weil die männlichen Fahrer, von denen während einer Veranstaltung Fotos gemacht werden, nicht danach gefragt werden. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen einem Model und dem Mangel an Fähigkeiten, die man haben muss, um erfolgreicher Rennfahrer zu sein. Es schließt sich nicht gegenseitig aus. Ich denke, dass Fahrerinnen manchmal nur nach ihrem Aussehen beurteilt werden und wie ‚attraktiv‘ sie sind und nicht nach ihren Leistungen. Indem ich mich weiter selbst pushe und meine Fähigkeiten weiterentwickle, denke ich, dass ich ihnen beweisen kann, dass sie falsch liegen.”

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Gibt es Herausforderungen, wenn man als Fahrerin gegen männliche Teilnehmer antritt?

Tan: „Ich denke, die einzige Schwierigkeit, auf die ich als Fahrerin gestoßen bin, ist, dass einige meiner männlichen Konkurrenten meinen, ich sei schwach. Sie werden also übermäßig aggressiv und nehmen manchmal uns beide aus dem Rennen. Abgesehen davon denke ich, dass wir alle vor den gleichen Herausforderungen und Schwierigkeiten stehen. Dass wir beispielsweise Schule oder unser Sozialleben dem Training und Rennen unterordnen müssen, vor Tagesanbruch aufstehen, um Flüge zu erwischen, oder bei 24-Stunden-Rennen gegen den Schlafentzug kämpfen müssen. Obwohl es manchmal sehr schwierig sein kann, denke ich, dass wir alle die gleiche große Leidenschaft für den Rennsport teilen, die alle Opfer wert ist.“

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Ich bin BMW Fan, so lange ich denken kann.
Samantha Tan

Denken Sie, dass Sie sich als männlicher Fahrer aktuell in der gleichen Position befänden, in der Sie gerade sind?

Tan: „Ich denke, dass es definitiv einige Vorteile hat, eine Fahrerin zu sein, wie zum Beispiel Vermarktbarkeit und Förderung. Als Frau ist es einfacher, innerhalb des Rennsports wiedererkannt zu werden. Wenn ich ein Mann wäre, wäre ich nicht in der gleichen Position, da es in der Branche so viele Männer gibt, sodass es schwieriger ist, sich abzuheben, selbst wenn man gute Leistungen bringt.“

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Was wünschen Sie sich für die Zukunft in Bezug auf „Frauen im Motorsport“?

Tan: „Wie bereits erwähnt, hoffe ich, dass noch viel mehr Frauen in den Rennsport kommen. Ich denke, dass das die meisten geschlechtsspezifischen Probleme im Motorsport lösen würde. Ich möchte, dass Frauen respektiert und als gleichberechtigte Konkurrenten gesehen werden. Es ist nicht notwendig, dass wir in unterschiedlichen Serien fahren. Racing ist zu 85 Prozent mental, und ich denke, dass wir definitiv mithalten können. Darüber hinaus hoffe ich, dass unsere Bemühungen um Gleichberechtigung Stereotypen zunichte machen, andere Frauen in von Männern dominierten Branchen inspirieren und motivieren und Minderheiten die Möglichkeit geben, ihre Ziele zu erreichen.“

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Was bedeutet es Ihnen persönlich, ein Fahrzeug von BMW Motorsport zu fahren und Teil der BMW Sports Trophy zu sein?

Tan: „Ich bin BMW Fan, so lange ich denken kann. Einige meiner allerersten Erinnerungen drehen sich um das Herumfahren mit meinem Vater in seinem BMW M3, und ich habe sogar gelernt, mit einem BMW 1M zu fahren. Für mich ist es eine Ehre und ein Traum, ein Fahrzeug von BMW Motorsport fahren zu können. Ich finde es auch unglaublich, Teil der BMW Sports Trophy zu sein und mit anderen außergewöhnlichen Fahrern zu konkurrieren, die nicht nur die Marke repräsentieren, sondern BMW Autos genauso lieben. Es wäre eine noch größere Ehre, wenn ich es dieses Jahr in die Top-10 schaffen würde.“

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Samantha Tan

Wie ist es, die Tochter des Teamchefs zu sein? Hat Ihr Vater keine Angst?

Tan: „Mein Vater ist ziemlich entspannt, zumindest an Rennwochenenden. Aus diesem Grund glaube ich nicht, dass es einen Unterschied macht, weil er das Team so führt, wie er es in seinem eigenen Unternehmen tut: Er lässt die Leute das machen, was sie für richtig halten, und greift nicht ein. Er macht nur dann Vorschläge oder gibt Anweisungen, wenn er von der Mannschaft oder einem Fahrer gefragt wird. Für ihn ist es wichtig, dass das Team zusammenhält und -arbeitet. Das ist seine Hauptaufgabe, der Cheerleader des Teams zu sein, und dadurch erfüllen wir unsere Verantwortung als Familie und als Team. Ob er Angst hat, wenn ich Rennen fahre? Ich bin mir sicher, dass es so ist, aber er versucht, es nicht zu zeigen. Er konzentriert sich auf unsere Leistung, aber ich bin mir sicher, dass er es im Hinterkopf hat.“

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Ihr Team hat bereits einen der ersten BMW M2 CS Racing bestellt. Wie groß ist die Aufregung?

Tan: „Ich bin so aufgeregt. Ich kann es kaum erwarten, zu Laurel BMW of Westmont zu fahren und den BMW M2 CS Racing abzuholen. Wir hatten geplant, das neue Auto am Victoria Day Rennwochenende der Canadian Touring Car Championship im Mai im Canadian Tire Motorsport Park in Toronto zu fahren. Angesichts der COVID-19-Situation denke ich jedoch, dass das Wochenende nicht stattfinden wird, da der Bürgermeister von Toronto bereits alle öffentlichen Veranstaltungen bis Ende Juni abgesagt hat. Ich hoffe, dass ich das Auto im Juli bei den Summer Classics in Mont Tremblant fahren kann, wenn die Veranstaltung nicht auch gecancelt wird. Ich habe gehört, dass sich das Auto nicht nur gut fährt, sondern auch am meisten Spaß bringt. Ich kann es kaum erwarten.“

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Welches Rennen oder welche Serie steht auf Position eins Ihrer persönlichen Bucket List?

Tan: „Bei den Rennen stehen die 24 Stunden von Le Mans ganz oben auf meiner persönlichen Bucket List, meine Favoriten-Serie wäre die FIA ​​WEC.“

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