Maximilian Günther

Maximilian Günther: „Was wir in Santiago als Team erreicht haben, bedeutet mir extrem viel“.

Maximilian Günther hat sich mit seinem Sieg beim Santiago E-Prix in die Geschichtsbücher der ABB FIA Formula E Championship eingetragen. Im Interview spricht der jüngste Formel-E-Sieger aller Zeiten über das turbulente Rennen, seine mentale Stärke, die Gründe für den starken Saisonstart des BMW i Andretti Motorsport Teams sowie seine Ziele für die Saison und die kommenden Jahre.

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Maximilian Günther, Jens Marquardt

Maximilian, wie viele Nachrichten haben Sie in den ersten Tagen nach dem Sieg in Santiago erhalten?

Maximilian Günther: „Eine ganze Menge. Es hat tatsächlich ein paar Tage gedauert, bis ich es geschafft hatte, alle zu beantworten.“

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Für mich ist mit dem Sieg ein Traum in Erfüllung gegangen. Was wir in Santiago als Team erreicht haben, bedeutet mir extrem viel.
Maximilian Günther.

Wie ordnen Sie mit etwas Abstand Ihren Erfolg ein?

Günther: „Die Freude ist nach wie vor riesig, zumal ich mir immer wieder die Bilder vom Rennen und den Emotionen danach gerne anschaue. Wie ich schon direkt nach dem Rennen gesagt habe: Für mich ist mit dem Sieg ein Traum in Erfüllung gegangen. Was wir in Santiago als Team erreicht haben, bedeutet mir extrem viel. Vor einem Jahr musste ich nach dem Rennen in Santiago meine Formel-E-Karriere unterbrechen. Nun zwölf Monate später an gleicher Stelle zu gewinnen, beweist mir, dass es richtig war, weiterhin an mich zu glauben, hart an mir zu arbeiten und meinen Weg unbeirrt weiter zu gehen.“

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Was bedeutet es Ihnen, jüngster Sieger der Formel-E-Geschichte zu sein?

Günther: „Es ist auf jeden Fall cool, in dieser Rekordliste nun meinen Namen zu sehen, auch wenn mir natürlich der Sieg an sich, die 25 Punkte und der Pokal, mit dem ich all die großartigen Emotionen verbinde, wichtiger sind. Schauen wir mal, wie lange ich diesen Rekord behalten werde.“

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Maximilian Günther, BMW i Andretti Motorsport

Nach der hochspannenden Schlussphase des Rennens hat BMW Group Motorsport Direktor Jens Marquardt gelobt, wie „reif und abgezockt“ Sie gefahren sind. Wie haben Sie die letzten Runden im Cockpit erlebt?

Günther: „Die letzten zehn Runden waren aus mehreren Gründen sehr intensiv. Da war die große Hitze, weswegen wir sehr genau auf Energiemanagement und auch die Batterietemperatur achten mussten. Es war mit Blick auf die ablaufende Rennzeit lange unsicher, ob wir nicht noch eine Runde mehr würden fahren müssen. Entsprechend viel mussten wir am Funk über die Strategie diskutieren. Dann stürmte António Félix da Costa von hinten heran, weil er und sein Team offensichtlich voll darauf setzten, keine zusätzliche Runde mehr fahren zu müssen. Als er mich mit einem harten Manöver überholt hatte, bin ich ruhig geblieben und habe mich darauf konzentriert, wie ich das Rennen trotzdem noch gewinnen kann, denn mir war klar, dass das Temperaturthema bei António etwas kritischer war als bei mir. Ich habe nicht aufgegeben, bin an ihm dran geblieben und konnte dann in der letzten Runde zum Glück noch den entscheidenden Konter setzen.“

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Ist Coolness eine Ihrer besonderen Stärken?

Günther: „Ich denke, ich kann sehr gut mein eigenes Ding machen und mich auf mich selbst konzentrieren. Das hat mir in so einem komplexen und hektischen Rennen sicher geholfen. Das gilt aber nicht nur für mich persönlich. Wir haben uns als ganzes Team einfach nur darauf fokussiert, für uns das Optimum aus der Rennsituation herauszuholen. Das ist hervorragend aufgegangen.“

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BMW iFE.20

Was waren aus Ihrer Sicht die Schlüssel zum Sieg?

Günther: „Da gab es mehrere Faktoren: Zuerst war das Timing unseres zweiten ATTACK MODES perfekt. Ich konnte in dieser Phase sowohl Pascal Wehrlein als auch Mitch Evans überholen und in Führung gehen. Das brachte mir zwei entscheidende Vorteile: Ich hatte frische Luft und somit bessere Kühlung für die Batterie und ich konnte für einige Runden etwas ökonomischer fahren und auch dadurch die Batterie entlasten. Das hat sich dann in der Schlussphase ausgezahlt. Dazu kam die hervorragende Kommunikation mit meinem Renningenieur. Ich bin sehr glücklich darüber, dass wir uns schon nach der kurzen Zeit, die ich im Team bin, so gut verstehen. Daran haben wir beide in den vergangenen Monaten sehr intensiv gearbeitet. Wir vertrauen uns blind.“

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Ich habe mich vom ersten Test an im Team extrem wohl gefühlt und mich sehr schnell eingelebt.
Maximilian Günther.

Wie wohl fühlen Sie sich generell im BMW i Andretti Motorsport Team?

Günther: „Ich habe mich vom ersten Test an im Team extrem wohl gefühlt und mich sehr schnell eingelebt. Ich habe es von Anfang an als meine größte Aufgabe gesehen, mich mit jedem Teammitglied so schnell wie möglich so gut zu verstehen, dass wir auf dem höchstmöglichen Level miteinander arbeiten können. Da sind wir auf einem guten Weg, können uns aber sicher noch steigern. Schließlich war das gerade erst mein drittes Rennen für das Team. So früh schon für die harte Arbeit mit einem Sieg belohnt zu werden, ist natürlich super.“

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Maximilian Günther

Wie erklären Sie sich generell den starken Saisonstart von BMW i Andretti Motorsport?

Günther: „Da spielen mehrere Faktoren zusammen: Zum einen denke ich, dass sich BMW i Motorsport und das Andretti-Team sehr gut ergänzen. Jeder bringt seine Stärken bestmöglich ein. Dann spielt sicher die Erfahrung eine Rolle, die das Team bereits durch den Werkseinsatz in Saison 5 sammeln konnte. Zudem machen die Jungs in München bei der Entwicklung des Antriebsstrangs einen mega Job. Alexander Sims und ich haben darüber hinaus ein super Verhältnis und tauschen unsere Erfahrungen sehr transparent aus. All das fügt sich aktuell sehr gut zu einem Puzzle zusammen.“

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Wir müssen uns auf uns selbst konzentrieren, unsere Hausaufgaben machen und dadurch im Saisonverlauf immer besser werden. Wozu das dann am Saisonende reicht, müssen wir sehen.
Maximilian Günther.

Wie lauten Ihre Ziele für den weiteren Saisonverlauf?

Günther: „Mein Ziel für diese Saison ist, den Weg, den wir eingeschlagen haben, konsequent weiterzugehen. Wir müssen uns auf uns selbst konzentrieren, unsere Hausaufgaben machen und dadurch im Saisonverlauf immer besser werden. Wozu das dann am Saisonende reicht, müssen wir sehen. Mittel- und langfristig lautet mein Ziel, den Meistertitel in der Formel E zu gewinnen. Das muss nicht in dieser Saison passieren, aber generell ist das der Anspruch, den ich an mich habe.“

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