David Griessner

Griessner: „Mein großes Ziel ist definitiv die GT3-Klasse.“

David, Sie erinnern sich bestimmt gerne an das vergangene Jahr zurück: Wie war die Saison 2019 für Sie?

David Griessner: „Die Saison war insgesamt sehr abwechslungsreich, mit Höhen und Tiefen. In der VLN lief es aber von Anfang an sehr gut, und ich hatte ein bisschen Glück. Denn ich war bei einem Rennen wegen einer Terminüberschneidung mit der GT4 European Series gar nicht am Nürburgring, doch genau dieses Rennen wurde dann wegen Schneefalls abgesagt. So hatte ich auf einmal die nicht geplante Chance auf den VLN-Titel, denn dieses Rennen hätte mir sonst gefehlt. Insgesamt haben wir einen sauberen Job gemacht. Das Jahr war ganz klar das beste meiner Karriere.“

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Sie haben schon 2018 die Gesamtwertung im BMW M235i Racing Cup gewonnen, 2019 den BMW M240i Racing Cup und den Gesamtsieg in der VLN geholt. Für 2020 machen Sie jetzt einen Schritt nach vorne in den BMW M4 GT4. Wie kam es dazu und wie sehen die Planungen aus?

Griessner: „Nachdem ich den Cup zweimal gewonnen hatte, war das klare Ziel, in ein schnelleres Auto aufzusteigen. Da lag der Schritt auf den BMW M4 GT4 nah, weil es sozusagen der große Bruder des BMW M240i Racing ist. Ich bin im vierten Jahr bei Adrenalin Motorsport, wir hatten in den letzten Jahren immer eine super Zusammenarbeit und haben auch für dieses Jahr eine spannende Lösung gefunden. Ich denke, diese ist für alle Beteiligten sinnvoll und wird jedem Spaß machen.“

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David Griessner

Sie dürfen die Startnummer 1 auf der Nordschleife auf das neue Auto mitnehmen. Was bedeutet das für Sie?

Griessner: „Das ist natürlich eine Ehre. Es freut mich sehr, dass die Startnummer 1 jetzt auf den BMW M4 GT4 kommt. Das zeigt allen, was wir im vergangenen Jahr geleistet haben.“

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Was unterscheidet den BMW M4 GT4 vom BMW M240i Racing?

Griessner: „Der BMW M240i Racing ist näher an der Serie. Das merkt man schon beim Einsteigen, denn im Innenraum ist ein serienmäßiges Armaturenbrett. Beim BMW M4 GT4 sieht man direkt, dass alles auf das Nötigste begrenzt und auf den Motorsport abgestimmt ist. Das können auch Kleinigkeiten in der Ergonomie sein, wie die Verstellbarkeit der Pedale. Der Sitz ist fix verschraubt, die Sitzposition für eine bessere Gewichtsverteilung weit hinten. Das Auto hat viel mehr Rennsportteile und ist ein reinrassiger Rennwagen. Das merkt man als Fahrer sofort. Der Umstieg ist mir eigentlich relativ leicht gefallen. Aber die ersten paar Runden sind natürlich erstmal ungewohnt. Man hat mehr Leistung und auch andere Abmessungen. Das Auto ist ja auch deutlich breiter, und da kann es in den ersten Runden schon mal vorkommen, dass man über Kerbs fährt, die man eigentlich gar nicht nehmen wollte, weil das Gefühl für die Breite noch nicht da ist. Insgesamt ist es ein tolles Rennauto.“

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Es freut mich sehr, dass die Startnummer 1 jetzt auf den BMW M4 GT4 kommt.
David Griessner

Ist das GT4-Auto ein weiterer Zwischenschritt? Wo soll Ihre Karriere noch hingehen?

Griessner: „Mein großes Ziel ist definitiv die GT3-Klasse. Es hatte auch schon Gespräche für dieses Jahr gegeben, doch letztendlich hat es noch nicht geklappt. In der Zukunft möchte ich aber auf jeden Fall in den großen GT3-Rennserien ein Wörtchen mitreden.“

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Eine immer größere Wahrnehmung und Akzeptanz erfährt momentan das Sim-Racing, sicher auch durch die Corona-Pandemie und die vielen Absagen im klassischen Rennsport. Stattdessen werden viele Rennen jetzt virtuell ausgetragen, beispielsweise in der Digitalen Nürburgring Langstrecken-Serie powered by VCO. Wie sind Sie in diesem Thema involviert?

Griessner: „Früher habe ich im Sim-Racing eigentlich nichts gemacht. Im vergangenen Jahr habe ich mir dann eine kleine Grundausstattung besorgt, aber nur aus dem Grund, um für Strecken zu trainieren, auf denen ich noch nicht gefahren war. Zum Beispiel Monza oder Brands Hatch für unsere Starts in der GT4 European Series. Ich war auch bei Walter Penker im Simulator, aber nur als Training für das reale Fahren, ohne Wettkämpfe oder Rennen. Wenn man in der aktuellen Situation jetzt aber irgendwie Rennen fahren will, ist das Sim-Racing die einzige Möglichkeit. Daher habe ich mir zu Hause auch einen Platz eingerichtet und erforsche gerade ein bisschen die ganze Sache. Ich bin bei Adrenalin eMotorSport Teil des Teams geworden und fahre jetzt unter anderem die ganze Saison in der Digitalen NLS. Es kommen sicher noch weitere Geschichten dazu, aber ich würde immer noch sagen, dass ich noch in einer Art Findungsphase bin. Man muss dem Sim-Racing-Sport schon Respekt zollen. Da sind richtig viele gute Leute dabei. Auch wenn man ein guter realer Rennfahrer ist, heißt das nicht, dass man sofort im Sim-Racing schnell oder konstant ist. Dafür braucht man sehr viel Training und auch sehr viel Erfahrung.“

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David Griessner

Es gibt einige Profirennfahrer wie die BMW Werksfahrer Philipp Eng oder Nick Catsburg, die schon länger Sim-Racing betreiben und auch gut mit den dortigen Pros mithalten können. Aber auch sie haben noch mit absoluten Sim-Racing-Profis zu kämpfen. Was macht es für Rennfahrer so schwierig, von der realen Rennstrecke auf das Sim-Racing umzusteigen? Und was fehlt Ihnen möglicherweise, was Sie sonst gewohnt sind?

Griessner: „Was ich von Anfang an gemerkt habe, ist, dass die Fliehkräfte fehlen. Durch die Fliehkräfte nimmt man auf der Rennstrecke Dinge einfach anders wahr, den Speed oder die Verzögerung auf der Bremse. Dass man das beim Sim-Racing nicht hat und alles nur über die Augen funktioniert, so lange man keinen großen Full-Motion-Simulator hat, was bei den wenigsten der Fall ist, dann fehlt einem ein gewohnter Input. Das nur mit der Koordination von Hand und Auge auszugleichen, ist schwierig und braucht sehr viel Training. Die richtigen Pros im Sim-Racing machen das schon so lange und sind so spezialisiert, dass sie den zusätzlichen Input über die Fliehkräfte gar nicht brauchen.“

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Die Schnittstelle zwischen Sim-Racing und dem Rennfahren auf der Strecke wäre dann beispielsweise der BMW Motorsport Simulator in München, in dem sich die BMW Werksfahrer auf ihre Einsätze in der DTM und der ABB FIA Formula E Championship vorbereiten. Wäre es für Sie ein Traum, dort auch mal ein paar Runden drehen zu dürfen?

Griessner: „Ja, absolut. Ich bin generell sehr interessiert an dem Thema Simulationen und würde es liebend gerne einmal sehen, wie BMW Motorsport da vorgeht.“

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