CHARLY LAMM: „WIR WAREN DIE UNBESIEGBAREN.“

Charly Lamm

Freilassing ist ein beschaulicher Ort. Ein 17.000-Seelen-Städtchen eingebettet in eine idyllische Bergkulisse. Auch wenn es in einem scheinbar verlassenen Winkel Bayerns liegt: Auf der Landkarte des Tourenwagensports ist Freilassing unumstrittenes Zentrum. Von hier aus haben Karl Lamm, der im Paddock nur Charly gerufen wurde, und das BMW Team Schnitzer die Motorsport-Welt erobert und über Jahrzehnte geprägt. Umso größer war der Schock, als die Rennsport-Familie im Januar den Verlust von Charly betrauern musste. Er wurde 63 Jahre alt.

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Dass Charly seinen älteren Halbbrüdern Josef und Herbert Schnitzer einmal in den Motorsport folgen würde, war irgendwie schon immer klar gewesen. BMW und Schnitzer Motorsport bildeten bereits seit den 1960er Jahren eine erfolgreiche Allianz auf der Rennstrecke. Schnell hatte Charly in der Mannschaft seinen Platz gefunden und eigene Wege eingeschlagen. Angetrieben von Leidenschaft, Akribie und der Lust, die Welt kennenzulernen. „Unsere Heimat Freilassing war damals nicht gerade der Nabel der Motorsport-Welt“, sagte er einmal. Hier hat er immer gerne gelebt und gearbeitet. „Aber mir war schnell klar, dass ich mit unserem Rennteam die Möglichkeit haben würde, herauszukommen und meinen Horizont zu erweitern. Als wir später in Amerika oder Asien gefahren sind, habe ich nicht selten noch eine Woche mit dem Rucksack drangehängt und bin herumgereist. Das war ein echtes Privileg.“

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Charly Lamm bei einem Gespräch mit den Mechanikern
Charly Lamm

Der Begriff „Benzin im Blut“ wurde für Charly erfunden. Von morgens sechs bis zwölf Uhr nachts hat er nur daran gedacht, sein Auto, seinen Fahrer und sein Team noch besser, noch schneller zu machen. Ein Leben ohne Rennsport? Für Charly unvorstellbar! „So viel erlebt zu haben, das möchte ich nicht missen“, sagte er. „Mit dem Willen, mit einer guten Mannschaft und Fahrern, die wirklich alles geben, kannst du schon Berge versetzen.“ Und das tat er.

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EINE KARRIERE AUF DER ÜBERHOLSPUR.

Schon zu Schulzeiten hatte der Takt der Motoren den Rhythmus im Leben von Charly bestimmt. „Im Gymnasium haben sie mich am Freitag und am Montag nicht oft gesehen.“ Das sagte er auf die für Charly typische Art: hastig, mit bayerischer Färbung in der Stimme und einem verschmitzten Grinsen im Gesicht. Bereits als Jugendlicher war Charly mit dem Schnitzer-Team regelmäßiger Gast an den Rennstrecken dieser Welt. Erst als „Lehrling“. Nach und nach wurde er mit immer gewichtigeren Aufgaben betraut – bis hin zum Teammanager und obersten Entscheidungsträger. Was für eine Karriere! Ein Leben auf der Überholspur.

 

 

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Charly Lamm jubelnd mit Pokal.
BMW 2002

Die Erfolge, die Schnitzer unter der Leitung von Charly erzielt hat, ist lang. Selbst in Auszügen füllt sie einen Rennsport-Almanach. Und immer blieb er seiner Marke treu: Siege feierte Charly ausschließlich mit Rennfahrzeugen oder Motoren von BMW. Auch vor Charly hatte Schnitzer bereits große Erfolge im Rennsport gefeiert – doch mit ihm wurde das Team zur Legende. In den 1980er Jahren stieg es zur dominierenden Mannschaft im Tourenwagensport auf. Im BMW 635 CSi wurde Dieter Quester 1983 Tourenwagen-Europameister. 1985 siegte Schnitzer erstmals beim 24-Stunden-Rennen in Spa-Francorchamps mit Gerhard Berger, Roberto Ravaglia und Marc Surer. Dann begann eine Ära, die Charly später als „unsere Zeit“ beschrieb.

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„DER BMW M3 WAR SAGENHAFT.“

Mit dem BMW M3 führte Charly die Schnitzer-Mannschaft zu immer neuen Erfolgen. „Wir waren die Unbesiegbaren“, sagte er. „Wir hatten einen Lauf, der BMW M3 war sagenhaft. Es hat einfach alles gepasst.“ Gewinn der Tourenwagen-Weltmeisterschaft, erneuter Erfolg in der Tourenwagen-Europameisterschaft, DTM-Triumph, Titel in Italien, Großbritannien und in Asien, Gesamtsieg in der Supertourenwagen-Meisterschaft. Wenn Schnitzer antrat, hagelte es Pokale. Aber das „Rennen unseres Leben“, wie es Charly später rückblickend beschrieb, sollte erst noch folgen.

1999 reist BMW mit dem Schnitzer-Team an die Sarthe. Der Mythos Schnitzer trifft auf den Mythos Le Mans. Der Auftritt wird zur Triumphfahrt.

Charly und die Schnitzer-Mannschaft gewinnen das berühmteste 24-Stunden-Rennen der Welt mit dem BMW V12 LMR und den Fahrern Yannick Dalmas, Pierluigi Martini und Joachim Winkelhock gegen starke Konkurrenz.

Für viele Teams und Fahrer ist der Nürburgring die "Hölle" – für Charly, BMW und das Team Schnitzer seit jeher der Rennsport-Himmel auf Erden. 19 Mal hat BMW Motorsport das legendäre Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife für sich entschieden, letztmals im Jahr 2010. Der BMW M3 GT2 mit den Fahrern Jörg Müller, Uwe Alzen, Augusto Farfus und Pedro Lamy überquerte als Erster die Ziellinie. Zum fünften Mal nach 1989, 1991, 2004 und 2005 ging Schnitzer als Sieger aus dem 24-Stunden-Rennen in der Grünen Hölle hervor.

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Seitenschuss des BMW M3

EIN MOTORSPORT-MÄRCHEN WIRD WAHR.

Am 29. April 2012 stand erstmals nach 20 Jahren wieder ein BMW M3 in der Startaufstellung der DTM – vor 142.000 Fans auf den Tribünen in Hockenheim. Fünf Monate später, am Ende einer nervenaufreibenden Comeback-Saison und vor gleicher Kulisse, folgte der erneute Triumph: Charly, Schnitzer, Bruno Spengler und BMW hatten alle zu vergebenden Titel in der DTM gewonnen. Ein Motorsport-Märchen.

Ende 2018 hatte sich Charly nach über 40 Jahren Rennsport von der großen Bühne verabschiedet. Bescheiden, wie es seine Art war, aber mit einem letzten Paukenschlag: Im November 2018 gewann er mit Augusto Farfus am Steuer des BMW M6 GT3 den FIA GT World Cup in Macau. Und wie kann es anders sein: Schnitzer ist auf dem legendären Guia Circuit Rekordsieger. Es war Charlys letztes Rennen als Teamchef, sein letzter Renneinsatz überhaupt.
 

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BMW M6 GT3

CHARLY ÜBER CHARLY.

Es gibt viele Geschichten über Charly Lamm. Die schönsten aber erzählte er immer selbst – mit einem Augenzwinkern. Ein Rennsportleben in Zitaten.

 

Charly Lamm über …

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… seine Anfänge im Motorsport


„Als ich 14 war, wurde ich im Team für sämtliche Reinigungs- und Putzarbeiten eingesetzt. Vor allem das Aufbereiten der Magnesium-Rennfelgen war eine unglaublich langwierige Geschichte. Meine Schulkameraden haben Fußball gespielt, ich war in der Werkstatt. Da kommt man als Teenager dann schon ins Grübeln. Aber das war immer nur von kurzer Dauer.“
 

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… seine Motivation


„Der Antrieb, den Sieg feiern zu wollen, ist immer da und eine ganz zentrale Triebfeder. Aber ich habe immer versucht, auch über den Tellerrand hinauszublicken. Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht als Techniker begonnen habe zu lernen, sondern eher andere Stärken einbringen konnte. Meine Sprachkenntnisse zum Übersetzen an der Strecke, mein Umgang mit Zahlen als Zeitnehmer oder mein Organisationstalent. Erst im Verlauf der Jahre kamen dann die Ingenieurskomponente und die Verantwortung dazu.“
 

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… seinen ersten Sieg


„1976 in der Sportwagen-Weltmeisterschaft mit dem BMW 3.5 CSL Coupé. Josef und Herbert waren mit der Formel 2 und der DRM unterwegs, also trug ich bei unserem Rennen in Spielberg erstmals alleine die Verantwortung. Dieter Quester und Gunnar Nilsson holten sich den Sieg. Das war ein unglaubliches Erlebnis. Mir war sofort klar: Dieses Gefühl willst du wieder und wieder erleben.“
 

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... sein Verhältnis zu den Fahrern


„Da wäre mein Umgang mit den Fahrern. Man sagt mir nach, ich würde ihnen zu viel Bedeutung beimessen, indem ich sie besser verstehen, ihre speziellen Bedürfnisse im Cockpit und ihre Mentalität kennenlernen möchte. Zu diesem Ansatz stehe ich auch heute in der Welt von Datenanalysen und Simulationen noch. Wir als Team bereiten ein Auto vor, das konkurrenzfähig sein muss. Der Pilot ist dann der entscheidende Faktor, um damit den Erfolg einzufahren.“
 

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… seine schönsten Motorsport-Momente 


„Da gibt es wirklich viele Highlights.Der Sieg mit dem BMW V12 LMR in Le Mans, die Triumphe mit BMW bei den 24-Stunden-Klassikern auf dem Nürburgring und in Spa-Francorchamps sowie natürlich unsere DTM-Titel 1989 und 2012. Aber ganz besonders war sicherlich meine erste Reise zum Tourenwagen-Rennen in Macau. Ich bin 1980 gemeinsam mit den Rennautos im Frachtflugzeug nach Hongkong geflogen. Und dann gewinnen wir mit Hans-Joachim Stuck und dem BMW 320 Gruppe 5 das Rennen. Einfach einmalig.“seine schönsten Motorsport-Momente

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„CHARLY, WIR VERMISSEN DICH.“

Charly Lamm war schon zu Lebzeiten eine Legende. Mit seiner Akribie und Leidenschaft für den Rennsport hat er viele Fahrer, Teammitglieder und Verantwortliche für sich eingenommen und geprägt. Weggefährten beschreiben, wie sehr sie Charly vermissen.

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„Er hat den Rennsport bei BMW über Jahrzehnte entscheidend geprägt, mit seinem Team großartige Triumphe gefeiert und Fans auf der ganzen Welt mit seiner einzigartigen Leidenschaft für den Rennsport fasziniert. Ihn verloren zu haben, ist eine Tragödie. Danke für alles, Charly. Wir werden Dich unendlich vermissen.“

Jens Marquardt, BMW Group Motorsport Direktor 

 

 

 

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Charly Lamm und Augusto Farfus

„Danke Charly für die Emotionen, die wir zusammen hatten. Danke für die Meisterschaft und alles was ich von Dir gelernt habe! Ich werde Dich sehr vermissen.“

Bruno Spengler, BMW DTM-Fahrer

 

 

 

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BMW M8 GTE Aufschrift: Goodspeed, Charly

„Eine Legende die uns viel zu früh verlassen hat und mein Herz zum Weinen bringt! Danke Charly, dass du so ein toller Mensch und Teamchef warst und ohne Frage Motorsport Geschichte geschrieben hast. Ob mein Opa, mein Vater oder ich – drei Generationen haben zu dir aufgeschaut und dich bewundert. Du hast unsere Motorsport-Zeit geprägt wie kein anderer!“

Marco Wittmann, BMW DTM-Champion von 2014 und 2016

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Charly Lamm und Jens Marquardt

„Ich habe ein Familienmitglied verloren, einen Mentor, einen Freund. Mein Herz ist gebrochen. Er war etwas Besonderes, denn er war immer da für mich. Er konnte in meinen Augen lesen und ich in seinen. Ich habe das erste Rennen, das ich für ihn fuhr, gewonnen. Und ich habe für Charly in seinem letzten Rennen gewonnen. Charly, ich vermisse dich.“

Augusto Farfus, BMW Werksfahrer

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Charly Lamm und Bruno Spengler

„Es erfüllt mich mit Traurigkeit, von seinem Tod zu erfahren. Charly Lamm war ein überaus respektierter und talentierter Teammanager, der im Motorsport unheimlich viel erreicht hat.“

Jean Todt, Präsident des Automobil-Weltverbands FIA

 

 

 

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Charly Lamm und Marco Wittmann
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DIE STÄRKSTE DTM ALLER ZEITEN.

Neue Motoren mit Turbo-Power. Neue Rennstrecken. Ein neuer Hersteller. Die DTM-Saison 2019 verspricht, eine der aufregendsten aller Zeiten zu werden. Zusammen mit Bruno Spengler geben wir einen Überblick über die wichtigsten Änderungen.
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Rund um die Uhr arbeiten Fahrer, Ingenieure, und Verantwortliche daran, die Ziele von BMW Motorsport mit immer neuen Technologien, innovativen Lösungen und Visionen zu füllen. Überzeugen Sie sich selbst und tauchen Sie ein in spannende Geschichten aus der Welt des Motorsports.